… begegnen wir der Welt niemals als bloße Beobachtende. Jede Unterscheidung, jede Bedeutung und jede Handlung verändert die Wirklichkeit, die wir erleben. Wahrgeben macht diesen aktiven Anteil unseres Erlebens sichtbar.
Der Begriff erweitert das Verständnis von Wahrnehmung. Wahrnehmen klingt leicht so, als würden wir eine bereits fertige Welt lediglich aufnehmen. Wahrgeben betont dagegen, dass wir an ihrer Hervorbringung beteiligt sind. Wir unterscheiden, interpretieren, fühlen und handeln. Dadurch entsteht eine Wirklichkeit, die weder ausschließlich objektiv noch rein subjektiv ist.
Mit wachsender Haltungserweiterung verändert sich auch unser Wahrgeben. Wir erkennen immer deutlicher, dass jede Wirklichkeit zugleich eine Möglichkeit unter vielen ist. Dadurch wächst unsere Freiheit, neue Wirklichkeiten gemeinsam entstehen zu lassen.
Zwei Menschen betrachten denselben Sonnenuntergang. Die eine erlebt Romantik, der andere denkt an das Ende eines langen Arbeitstages. Beide sehen dieselbe Landschaft und geben ihr doch eine unterschiedliche Wirklichkeit.
Welche Wirklichkeit gebe ich einer Situation gerade?
Welche meiner Deutungen halte ich für selbstverständlich?
Wo könnte eine andere Wirklichkeit entstehen?
Welche Wirklichkeit erschaffen wir gemeinsam?
Wie verändern unsere Gespräche das, was zwischen uns möglich wird?
Welche Wirklichkeit entsteht durch unsere Sprache?
Welche Geschichten geben unserer Kultur Richtung?