… wir leben nicht nur in Situationen, sondern auch in Geschichten darüber, was diese Situationen bedeuten. Diese zweite Ebene ermöglicht Erinnerung, Planung, Reflexion und gemeinsame Verständigung. Sie macht es möglich, über Abwesendes, Zukünftiges und Mögliches zu sprechen.
Emergetisch wird Weltverdoppelung dort problematisch, wo Beschreibung und Geschehen nicht mehr unterschieden werden. Dann behandeln wir unsere Landkarte wie die Landschaft. Konstruktbewusstsein hält beide Ebenen in Beziehung: Die Beschreibung ist wirklich wirksam, ohne mit der ganzen Wirklichkeit identisch zu sein.
Ein Team verbringt zwei Stunden mit einer Ampelübersicht, in der ein Projekt rot markiert ist. Irgendwann fragt jemand die Projektleiterin, was konkret los sei. Sie sagt: „Eigentlich läuft es gut, nur der Meilenstein wurde verschoben.“ Fünf Menschen hatten längst auf die Farbe reagiert, bevor jemand wieder Kontakt zum Geschehen aufnahm.
Welche Beschreibung meiner Welt halte ich gerade für die Welt selbst?
Was geschieht jenseits meiner Erzählung tatsächlich?
Welche neue Beschreibung würde andere Möglichkeiten eröffnen?
Welche gemeinsamen Geschichten verdoppeln unsere Wirklichkeit?
Wie können wir Beschreibung und unmittelbares Geschehen wieder miteinander abgleichen?
Welche Kennzahlen, Narrative und Modelle werden bei uns selbst zur Wirklichkeit?
Wie sichern wir Konstruktbewusstsein im Umgang mit Repräsentationen?