… wir erleben unsere Wahrnehmungen leicht als Beschreibung dessen, was da ist. Die Beobachtung des Beobachters fügt eine zweite Frage hinzu: Wie komme ich eigentlich dazu, genau das zu sehen? Welche Kategorien nutze ich, was fällt dadurch auf und was verschwindet aus meinem Blick?
Emergetisch eröffnet diese Bewegung Konstruktbewusstsein. Sie macht Beobachtung nicht beliebig, sondern transparenter. Sobald wir die eigene Perspektive mitbeobachten, können wir andere Perspektiven leichter verstehen und die Brauchbarkeit unserer Unterscheidungen bewusster prüfen.
In einer Teamsitzung sagt eine Führungskraft: „Die Leute übernehmen einfach keine Verantwortung.“ Eine Kollegin fragt: „Woran erkennst du Verantwortung?“ Plötzlich geht es nicht mehr nur um die Mitarbeitenden, sondern auch um die Kriterien, mit denen ihr Verhalten beobachtet wird.
Mit welcher Unterscheidung beobachte ich diese Situation?
Was wird durch meinen Blick sichtbar und was bleibt unsichtbar?
Welche Annahme bringe ich selbst in meine Beobachtung ein?
Wie beobachten wir gegenseitig unsere Beobachtungen, ohne uns zu entwerten?
Welche unterschiedlichen Kriterien verwenden wir für dieselbe Situation?
Welche Beobachtungslogiken prägen unsere Kennzahlen und Entscheidungen?
Wo hilft eine zweite Beobachtungsebene, festgefahrene Deutungen zu öffnen?