… bildet sich das ICH-Konstrukt nicht einmalig, sondern fortlaufend. Es entsteht aus unseren Erfahrungen, Beziehungen, Erinnerungen, Bedürfnissen, Werten und den Bedeutungen, die wir unserem Leben geben. Es beantwortet die Frage:
Wer erscheine ich mir selbst zu sein?
Dabei verändert sich das ICH-Konstrukt mit jeder Haltungserweiterung.
Jede Haltung eröffnet eine eigene Weise, sich selbst zu erleben. In frühen Haltungen erscheint das Ich häufig unmittelbarer, impulsiver oder stärker über Zugehörigkeit bestimmt. Spätere Haltungen ermöglichen zunehmend, das eigene ICH-Konstrukt als Konstruktion wahrzunehmen. Dadurch wird Identität beweglicher, vielschichtiger und weniger selbstverständlich.
Aus emergetischer Perspektive ist das ICH-Konstrukt weder Täuschung noch Wahrheit. Es ist eine notwendige Form der Selbstorientierung. Es hilft uns, unserem Leben Kontinuität zu geben und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig bleibt es veränderbar. Mit jeder Entwicklung verändert sich auch die Weise, wie wir uns selbst erscheinen.
Das ICH-Konstrukt ist deshalb nicht das Selbst. Es ist eine Form, die im Selbst erscheint.
Als Jugendlicher warst du überzeugt: "Ich bin schüchtern." Jahre später bemerkst du, dass du in manchen Situationen ausgesprochen mutig bist. Noch später fällt dir auf, dass beide Beschreibungen nur einen Teil deiner Erfahrung ausdrücken. Nicht weil sie falsch waren, sondern weil sich die Weise verändert hat, wie du dir selbst erscheinst.
Wie erscheine ich mir selbst?
Welche Bilder von mir wirken selbstverständlich?
Welche davon beginnen sich gerade zu verändern?
Welche ICH-Konstrukte schreiben wir einander zu?
Wie unterstützen wir uns darin, über vertraute Selbstbilder hinauszuwachsen?
Welche Bilder haben Menschen von ihrer Rolle in unserer Organisation?
Wie beeinflussen Kultur und Führung die ICH-Konstrukte der Mitarbeitenden?