… ist das Selbst weder ein einzelner innerer Kern noch bloß eine Erzählung. Körperliche Zustände, Affekte, Sprache, Beziehungen und Identitäten wirken zusammen und erzeugen eine relative Kontinuität. Das Selbstsystem wählt aus, was Aufmerksamkeit erhält und wie Erfahrungen eingeordnet werden.
Es schützt Kohärenz und kann dadurch Irritationen abwehren, die bisherige Selbstbilder bedrohen. Entwicklung erweitert seine Fähigkeit, Widersprüche, neue Perspektiven und bislang ausgeschlossene Erfahrungen aufzunehmen. Das System bleibt eigenständig und wird zugleich durchlässiger für seine Mitwelt.
Eine Frau versteht sich als verlässliche Helferin. Als sie erschöpft eine Bitte ablehnt, erlebt sie starke Schuld. Ihr Selbstsystem deutet die Grenze zunächst als Beweis von Egoismus. In der Reflexion entsteht eine weitere Form: Fürsorge kann auch die eigene Begrenzung einschließen.
Welche Erfahrungen passen leicht in mein Selbstbild?
Was muss mein Selbstsystem abwehren, um stimmig zu bleiben?
Welche neue Erfahrung könnte meine Selbstform erweitern?
Wie bestätigen wir gegenseitig unsere Selbstsysteme?
Wo können wir einander neue, noch ungewohnte Seiten spiegeln?
Welche Rollen stabilisieren bestimmte Selbstbilder?
Wie ermöglichen Lernräume Irritation ohne Identitätsbedrohung?