… unterscheiden wir zwischen dem ICH-Konstrukt und dem Selbst.
Das ICH-Konstrukt bildet sich aus Erinnerungen, Rollen, Überzeugungen, Geschichten und Erfahrungen. Es beantwortet die Frage: Wer glaube ich zu sein?
Das Selbst ist etwas anderes. Es erscheint als jener offene Erfahrungsraum, in dem all diese Inhalte wahrgenommen werden können. Gedanken kommen und gehen. Gefühle verändern sich. Rollen wechseln. Selbstbilder entstehen und lösen sich wieder auf. Das Selbst bleibt von diesen Bewegungen unberührt, ohne außerhalb von ihnen zu stehen.
Mit wachsender Haltungserweiterung berichten viele Menschen, dass sie diesen Wahrnehmungsraum bewusster erleben. Das Bedürfnis, sich ständig über Rollen oder Identitäten zu definieren, verliert an Bedeutung. An seine Stelle tritt häufig ein Gefühl von Weite, Gegenwärtigkeit und innerer Vertrautheit. Viele beschreiben diese Erfahrung als ein tiefes Nach-Hause-Kommen.
Das Selbst ist aus emergetischer Perspektive deshalb kein weiteres Ich-Konstrukt. Es ist auch keine neue Identität. Es ist der offene Raum, in dem Identitäten erscheinen und wieder vergehen. Identität beantwortet die Frage, wer wir zu sein glauben. Das Selbst öffnet den Raum, in dem diese Frage überhaupt auftauchen kann.
Du bemerkst mitten in einem Streit: „Ein Teil von mir möchte jetzt unbedingt Recht behalten. Ein anderer möchte verstehen." Früher wärst du einer dieser Stimmen gefolgt. Heute kannst du beide wahrnehmen, ohne dich sofort für eine entscheiden zu müssen.
Welche Seiten von mir zeigen sich gerade?
Wie begegne ich mir selbst?
Welche Anteile möchten heute mehr Raum bekommen?
Wie unterstützen wir einander darin, wir selbst zu sein?
Wo erlauben wir Unterschiedlichkeit?
Wie viel Menschsein erlaubt unsere Kultur?
Welche Bedingungen stärken Selbstentwicklung?