… verstehen wir Eigenheit weder als feste Essenz noch als bloße Abweichung von anderen. Sie bildet sich biografisch, leiblich und relational. Sprache, Zugehörigkeiten und Erfahrungen werden auf eine jeweils besondere Weise aufgenommen und weitergeführt.
Eigenheit braucht Beziehung, um hervorzutreten. Erst im Kontakt werden Unterschiede spürbar, Ausdrucksformen gefunden und Grenzen erkennbar. Entwicklung bedeutet deshalb nicht, Eigenheit zugunsten größerer Verbundenheit aufzugeben. Sie kann vielmehr klarer, beweglicher und zugleich anschlussfähiger werden.
Zwei Kolleginnen verfügen über dieselbe Ausbildung und bearbeiten ähnliche Aufgaben. Die eine schafft Klarheit durch präzise Struktur, die andere durch bildhafte Erzählungen und feines Gespür für Stimmungen. Ihre Eigenheit zeigt sich nicht in einem Etikett, sondern in der besonderen Form, in der sie Welt wahrgeben und Wirkung erzeugen.
Worin zeigt sich meine unverwechselbare Art, Welt zu begegnen?
Wo passe ich mich so stark an, dass meine Eigenheit unsichtbar wird?
Wie kann ich mich zeigen, ohne mich festzuschreiben?
Welche Eigenheiten bereichern unser Miteinander?
Wie schaffen wir Zugehörigkeit, die Unterschiede nicht glättet?
Welche Formen von Eigenheit werden in unserer Kultur sichtbar und anerkannt?
Wie vermeiden wir, Vielfalt auf Kategorien zu reduzieren?