… betrachten wir das Ich nicht als fertige Substanz, sondern als eine fortlaufende Formbildung. Durch Sprache, Abgrenzung und Handlung setzt sich ein Mensch in Beziehung zur Mitwelt: Das bin ich, das will ich, hier beginne ich und dort beginnt etwas anderes.
Ich-Setzung ermöglicht Eigenheit, Antrieb und Verantwortung. Sie kann zugleich starr werden, wenn das gesetzte Ich sich für unabhängig hält oder seine Formen verteidigen muss. Haltungserweiterung löst die Ich-Setzung nicht auf, sondern macht sie durchlässiger für Beziehung, Kontext und Vielstimmigkeit.
Ein Kind sagt mit Nachdruck „Ich selbst!“ und weist die helfende Hand zurück. In diesem kleinen Widerstand bildet sich eine wichtige Grenze. Jahre später kann derselbe Mensch lernen, Unterstützung anzunehmen, ohne sich dadurch weniger eigenständig zu fühlen. Die Ich-Setzung bleibt, ihre Beziehungsfähigkeit erweitert sich.
Wo setze ich mich klar als Ich?
Welche Grenzen schützen meine Eigenheit?
Wo halte ich eine frühere Ich-Form zu fest?
Wie begegnen sich unsere Ich-Setzungen?
Wie können wir Eigenständigkeit und Verbundenheit zugleich ermöglichen?
Welche Formen von Initiative und Abgrenzung erlaubt unsere Kultur?
Wo wird ein starkes Ich gefördert und wo braucht es mehr Kontextbewusstsein?