… emergetisch wird Selbstaktualisierung nicht als Programm zur maximalen Ausschöpfung persönlicher Potenziale verstanden. Sie entsteht im Verhältnis von Selbst und Mitwelt. Was sich aktualisieren kann, hängt von Beziehungen, Möglichkeiten, Grenzen und dem jeweiligen Entwicklungsraum ab.
Mit zunehmender Haltungserweiterung kann Selbstaktualisierung mehr Widersprüche aufnehmen. Sie fragt weniger nach einem endgültig „wahren Ich“ und stärker danach, welche Form im gegenwärtigen Leben lebendig, verantwortlich und anschlussfähig werden möchte.
Ein Mann kündigt nicht seinen Job, obwohl ihm alle Selbstverwirklichungsratgeber genau das zuzurufen scheinen. Stattdessen reduziert er seine Stunden und beginnt wieder zu komponieren. Seine Selbstaktualisierung hat erstaunlicherweise keinen dramatischen Soundtrack gebraucht.
Welche Seite meines Lebens möchte gegenwärtig mehr Form gewinnen?
Wo entsteht Lebendigkeit, wenn ich mich selbst ernst nehme?
Welche Bedingungen braucht diese Entwicklung?
Wie unterstützen wir einander darin, eigene Möglichkeiten zu aktualisieren?
Wo verwechseln wir Selbstaktualisierung mit Selbstoptimierung?
Welche Arbeitsbedingungen lassen Menschen Fähigkeiten und Eigenheit entfalten?
Wie verbinden wir individuelle Entwicklung mit gemeinsamer Verantwortung?