… verstehen wir Potenzial nicht als fertigen inneren Bauplan. Fähigkeiten, Interessen und Haltungen entstehen im Zusammenspiel mit Resonanzfeldern, Herausforderungen und Gelegenheiten. Entfaltung ist deshalb weder bloße Selbstverwirklichung noch lineares Ausrollen dessen, was immer schon feststand.
Ein Mensch entfaltet sich, indem er antwortet, übt, scheitert, integriert und neue Unterschiede wahrnimmt. Manche Möglichkeiten werden kräftiger, andere verlieren an Bedeutung. Der Prozess bleibt offen und relational: Was sich entfalten kann, hängt auch davon ab, welche Mitwelt antwortet und welche Formen sie zulässt.
Ein stiller Schüler gilt lange als wenig durchsetzungsfähig. In einer Theatergruppe entdeckt er seine Fähigkeit, Räume aufmerksam wahrzunehmen und Figuren glaubwürdig zu verkörpern. Aus einer vermeintlichen Schwäche entsteht eine besondere Stärke. Sie war nicht fertig verborgen, sondern bildete sich in einem neuen Resonanzfeld.
Welche Möglichkeit gewinnt in mir gerade Form?
Welche Bedingungen fördern meine Entfaltung?
Welche Vorstellung von meinem Potenzial könnte zu eng geworden sein?
Wie unterstützen wir einander, ohne eine bestimmte Entwicklung vorzuschreiben?
Welche Fähigkeiten werden zwischen uns sichtbar?
Welche Potenziale können in unserer Kultur hervortreten?
Wie verbinden wir Förderung mit Autonomierespekt?