… aus emergetischer Sicht entsteht Autonomie immer in Beziehung. Menschen entwickeln Eigenständigkeit innerhalb sozialer, leiblicher und kultureller Zusammenhänge. Autonomie ist deshalb keine Unabhängigkeit von anderen, sondern die wachsende Fähigkeit, Erwartungen wahrzunehmen, Resonanzen zu prüfen und eine eigene Position zu bilden.
Mit zunehmender Autonomie können Zugehörigkeit und Eigenheit gleichzeitig tragfähig werden. Wir müssen uns weder anpassen, um verbunden zu bleiben, noch distanzieren, um uns selbst zu spüren. Daraus entsteht ein beweglicheres Verhältnis zwischen Selbst und Mitwelt.
Ein junger Mitarbeiter wird gefragt, ob er am Wochenende einspringen kann. Früher hätte er sofort zugesagt und sich später geärgert. Heute prüft er seine Möglichkeiten und sagt: „Samstag kann ich zwei Stunden übernehmen, Sonntag brauche ich frei.“ Seine Autonomie zeigt sich in einer Antwort, die weder Trotz noch Unterwerfung braucht.
Wo gestalte ich aus eigener innerer Orientierung?
Welche Erwartungen beeinflussen meine Entscheidungen stärker, als mir lieb ist?
Wie kann ich verbunden bleiben und zugleich bei mir sein?
Wie unterstützen wir gegenseitig unsere Eigenständigkeit?
Wo verwechseln wir Zustimmung mit Verbundenheit?
Welche Strukturen ermöglichen verantwortete Autonomie?
Wo erzeugen unsere Regeln unnötige Abhängigkeit oder Vereinzelung?