… emergetisch wird Eigenverantwortung relational verstanden. Wir handeln nie außerhalb von Kontexten, Beziehungen und Bedingungen, und dennoch bleibt ein eigener Antwortspielraum. Eigenverantwortung fragt deshalb weder ausschließlich nach Schuld noch nach Kontrolle, sondern nach dem Anteil, den wir tatsächlich gestalten können.
Sie schützt vor zwei Verkürzungen: alles bei anderen zu suchen oder alles auf sich selbst zu beziehen. Reife Eigenverantwortung kann Grenzen benennen, Hilfe annehmen und zugleich prüfen, welche nächste Bewegung in der eigenen Hand liegt.
Nach einem misslungenen Projekt sagt eine Mitarbeiterin: „Die Vorgaben waren chaotisch, und ich habe zu lange geschwiegen.“ In einem Satz trennt sie Kontext und eigenen Anteil. Niemand muss zum alleinigen Schuldigen werden, und trotzdem entsteht eine konkrete Lernmöglichkeit.
Welcher Anteil dieser Situation liegt in meinem Gestaltungsspielraum?
Was gehört zu mir und was gehört zum Kontext?
Welche Antwort möchte ich für meinen Anteil übernehmen?
Wie sprechen wir über Verantwortung, ohne Schuld zu verteilen?
Welche Beiträge können wir jeweils selbst verändern?
Welche Bedingungen machen Eigenverantwortung realistisch möglich?
Wo fordert unsere Organisation Verantwortung, ohne entsprechenden Handlungsspielraum zu geben?