… bildet jede Wahrnehmung Unterschiede: innen und außen, vorher und nachher, Nähe und Distanz, passend und unpassend. Was nicht unterschieden werden kann, bleibt als undifferenziertes Ganzes wirksam und entzieht sich gezielter Beziehung.
Unterscheidbarkeit schafft Freiheit, weil sie mehrere Antworten ermöglicht. Zugleich erzeugt jede Unterscheidung eine Grenze und lässt einen unmarkierten Hintergrund entstehen. Bewusstes Wahrgeben fragt deshalb sowohl nach dem sichtbaren Unterschied als auch nach dem, was durch ihn zusammengefasst oder ausgeschlossen wird.
Eine Frau erlebt in Gesprächen mit ihrer Mutter nur ein diffuses Unwohlsein. Als sie Anspannung, Schuld, Zuneigung und Ärger unterscheiden lernt, kann sie klarer entscheiden, wann sie Nähe möchte und wo sie eine Grenze braucht. Die Beziehung wird nicht einfacher, aber differenzierter gestaltbar.
Was kann ich in meiner Erfahrung noch nicht unterscheiden?
Welche neue Unterscheidung eröffnet Handlungsspielraum?
Was wird durch diese Unterscheidung unsichtbar?
Welche Unterschiede müssen wir benennen, um uns zu verstehen?
Wo erzeugen unsere Kategorien unnötige Trennung?
Welche Unterscheidungen strukturieren Entscheidungen und Zugehörigkeit?
Wie prüfen wir, ob Kategorien hilfreich differenzieren oder Menschen festlegen?