… viele Menschen organisieren sich lange über wenige dominante innere Instanzen: Pflicht, Leistung, Harmonie, Vernunft oder Selbstkontrolle. Andere Regungen werden überhört, weil sie nicht zum bisherigen Selbstbild passen. Innere Demokratisierung erweitert den Kreis dessen, was gehört werden darf.
Demokratisierung bedeutet keine Herrschaftslosigkeit. Nicht jede innere Stimme entscheidet. Es entsteht vielmehr eine umfassendere innere Führung, die verschiedene Anliegen unterscheidet, gewichtet und in Beziehung setzt.
Eine Frau plant ihr Wochenende und hört innerlich drei Stimmen: „Du musst endlich die Steuer machen“, „Du brauchst Ruhe“ und „Du hast deine Freunde seit Wochen nicht gesehen“. Früher gewann automatisch die Pflicht. Heute bekommt sie zumindest eine kleine Koalitionsverhandlung.
Welche inneren Stimmen haben bei mir dauerhaft Stimmrecht?
Welche Regung wird schnell übergangen?
Wie kann ich unterschiedliche Anliegen hören und trotzdem entscheiden?
Wie erlauben wir einander innere Widersprüche?
Wo erwarten wir voneinander eine Eindeutigkeit, die unser Erleben gar nicht besitzt?
Welche Kulturen fördern innere Selbstwahrnehmung statt bloßes Funktionieren?
Wie können Führung und Arbeit unterschiedliche menschliche Anliegen berücksichtigen?