Zurück zur Begriffswelt

Wer sind wir? · Selbst

Innere Demokratisierung

Reifung kann bedeuten, dass im Inneren mehr Stimmen sprechen dürfen, ohne dass jede sofort regieren muss.

Auf den Punkt

Innere Demokratisierung bezeichnet den Prozess, in dem unterschiedliche innere Bedürfnisse, Gefühle, Rollen und Stimmen wahrgenommen und an der Selbststeuerung beteiligt werden.

Wenn wir emergetisch schauen …

… viele Menschen organisieren sich lange über wenige dominante innere Instanzen: Pflicht, Leistung, Harmonie, Vernunft oder Selbstkontrolle. Andere Regungen werden überhört, weil sie nicht zum bisherigen Selbstbild passen. Innere Demokratisierung erweitert den Kreis dessen, was gehört werden darf.

Demokratisierung bedeutet keine Herrschaftslosigkeit. Nicht jede innere Stimme entscheidet. Es entsteht vielmehr eine umfassendere innere Führung, die verschiedene Anliegen unterscheidet, gewichtet und in Beziehung setzt.

Erlebbar wird das, wenn …

Eine Frau plant ihr Wochenende und hört innerlich drei Stimmen: „Du musst endlich die Steuer machen“, „Du brauchst Ruhe“ und „Du hast deine Freunde seit Wochen nicht gesehen“. Früher gewann automatisch die Pflicht. Heute bekommt sie zumindest eine kleine Koalitionsverhandlung.

ICH · Für mich

Welche inneren Stimmen haben bei mir dauerhaft Stimmrecht?

Welche Regung wird schnell übergangen?

Wie kann ich unterschiedliche Anliegen hören und trotzdem entscheiden?

WIR · Zwischen uns

Wie erlauben wir einander innere Widersprüche?

Wo erwarten wir voneinander eine Eindeutigkeit, die unser Erleben gar nicht besitzt?

ALLE · Für Organisationen

Welche Kulturen fördern innere Selbstwahrnehmung statt bloßes Funktionieren?

Wie können Führung und Arbeit unterschiedliche menschliche Anliegen berücksichtigen?

Innere Demokratisierung erweitert Selbstführung, indem mehr vom eigenen Erleben gehört werden darf.
Siehe auch: Vielstimmigkeit Selbstsystem Selbstmitgefühl Ambivalenz Integration Innere Stimme