… erscheint Wahrgeben nicht als einzelner mentaler Akt. Ein Reiz stimmt uns an, Aufmerksamkeit wählt aus, Erfahrung deutet, Sprache formt und Handlung verändert die Situation. Die neue Situation wirkt wiederum auf uns zurück.
Der Fluss ist meist schneller als bewusste Reflexion. Haltungserweiterung schafft Momente, in denen einzelne Bewegungen unterscheidbarer werden. Wir können bemerken, was uns berührt, welche Deutung entsteht und wie unsere Antwort das Feld mitstimmt. Dadurch wird der Wahrgebungsfluss nicht angehalten, aber bewusster mitgestaltet.
In einer Besprechung schaut ein Kollege zur Seite. Du spürst Irritation, deutest den Blick als Desinteresse und sprichst schärfer. Er zieht sich weiter zurück, was deine Deutung bestätigt. Als du später den Wahrgebungsfluss nachvollziehst, erkennst du mehrere Stellen, an denen eine andere Wirklichkeit möglich gewesen wäre.
Was hat mich zuerst angestimmt?
Welche Deutung entstand daraus?
Wie hat meine Antwort die nächste Wirklichkeit mit hervorgebracht?
Wie verschränken sich unsere Wahrgebungsflüsse?
An welcher Stelle können wir ein Muster gemeinsam unterbrechen?
Welche Routinen prägen organisationales Wahrgeben und Entscheiden?
Wie schaffen wir Pausen für Reflexion zwischen Information und Reaktion?