… unterscheiden wir zwischen Emotieren und Fühlen. Beim Emotieren fallen Erleben und Ausdruck weitgehend zusammen. Emotionale Energie wird nicht beobachtet oder benannt – sie wird unmittelbar gelebt. Wir sind Wut, Freude, Angst oder Scham. Zwischen der Emotion und unserem Erleben besteht kaum Abstand.
Mit der Entwicklung unserer Haltung verändert sich dieses Verhältnis. Sprache eröffnet neue Unterscheidungen. Aus dem unmittelbaren Emotieren entsteht zunehmend bewusstes Fühlen. Gefühle können nun wahrgenommen, benannt, gehalten und in Beziehung gesetzt werden.
Entwicklung bedeutet deshalb nicht, weniger zu emotieren. Sie erweitert unsere Fähigkeit, das eigene Emotieren bewusst wahrzunehmen und in ein differenziertes Fühlen zu integrieren.
Ein kleines Kind stößt sich und schreit. Es fragt nicht, was es fühlt. Es lebt den Schmerz unmittelbar. Jahre später kann derselbe Mensch sagen: „Ich merke, dass ich gerade verletzt bin.“ Die emotionale Energie ist geblieben. Das Verhältnis zu ihr hat sich verändert.
Wann bin ich ganz in meiner Emotion?
Wann gelingt es mir, mein Emotieren bewusst wahrzunehmen?
Welche Gefühle kann ich heute feiner unterscheiden als früher?
Wie gehen wir miteinander um, wenn starke Emotionen auftauchen?
Wie unterstützen wir uns darin, Emotieren zu Fühlen werden zu lassen?
Welche Kultur ermöglicht einen bewussten Umgang mit Emotionen?
Wie schaffen wir Räume, in denen Emotionen nicht unterdrückt, sondern verstanden werden?