… betrachten wir Emotionalität als gewachsene Form des Resonierens. Temperament, Biografiekörper, Sprache, Zugehörigkeit und soziale Erwartungen beeinflussen, wie schnell Emotionen entstehen, wie intensiv sie erlebt werden und welche Ausdrucksformen verfügbar sind.
Emotionalität ist keine feste Eigenschaft und kein Gegensatz zu Vernunft. Auch sachliches Verhalten kann eine emotional geprägte Form sein, etwa Schutz vor Beschämung oder ein gelerntes Ideal der Kontrolle. Entwicklung erweitert die Bandbreite, in der emotionale Energie gespürt, verstanden und in Beziehung gebracht werden kann.
In einem Team spricht ein Mitarbeiter lebhaft, gestikuliert stark und zeigt Begeisterung offen. Eine Kollegin wirkt ruhig und verarbeitet dieselbe Situation zunächst für sich. Beide sind emotional beteiligt, doch ihre Emotionalität besitzt unterschiedliche Ausdrucksformen. Erst als das Team diese Unterschiede bespricht, werden Zurückhaltung und Intensität weniger schnell bewertet.
Wie zeigt sich meine Emotionalität?
Welche Ausdrucksformen habe ich gelernt zu erlauben oder zurückzuhalten?
Wo verwechsle ich Intensität mit Tiefe oder Ruhe mit Distanz?
Wie deuten wir unterschiedliche emotionale Ausdrucksweisen?
Welche Bandbreite darf in unserem Miteinander sichtbar werden?
Welche emotionale Norm prägt unsere Organisation?
Wie schaffen wir Räume, in denen verschiedene Formen von Emotionalität anschlussfähig werden?