… statt nach einem einzigen, überall identischen Selbst zu suchen, erkennt Selbstkontextualität, dass bestimmte Seiten in bestimmten Zusammenhängen hervortreten. Ein Mensch kann in einem Team mutig, in einer Familie vorsichtig und unter Zeitdruck kontrollierend werden, ohne dass eine dieser Formen allein seine Wahrheit enthält.
Emergetisch stärkt Selbstkontextualität Konstruktbewusstsein und Formbeweglichkeit. Sie hilft, Selbstzuschreibungen zu relativieren und zugleich zu erforschen, welche Kontexte welche Selbstformen begünstigen.
Eine Führungskraft sagt im Coaching: „Ich bin einfach konfliktscheu.“ Auf Nachfrage fällt ihr auf, dass sie mit Kunden sehr klar streitet, nur mit ihrem Gründerkollegen nicht. Aus einer Persönlichkeitseigenschaft wird plötzlich eine Beziehungsgeschichte.
In welchen Kontexten zeige ich unterschiedliche Seiten?
Welche Selbstbeschreibung braucht einen genaueren Zusammenhang?
Welche Umgebung unterstützt eine Form von mir, die ich mehr leben möchte?
Welche Seiten rufen wir gegenseitig hervor?
Wie verändert sich unser Verhalten in anderen Kontexten?
Welche Strukturen fördern bestimmte Selbstformen?
Wie können wir Entwicklungsfragen kontextbezogener betrachten?