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Wer sind wir? · Selbst

Funktionales Selbstbild

Wer sich vor allem über das Funktionieren erlebt, bemerkt die eigene Erschöpfung oft erst, wenn sie nicht mehr funktioniert.

Auf den Punkt

Ein funktionales Selbstbild ist eine Selbstvorstellung, in der der eigene Wert und die eigene Identität stark an Leistung, Verlässlichkeit, Nützlichkeit oder kontrolliertes Funktionieren gebunden sind.

Wenn wir emergetisch schauen …

… diese Form kann über lange Zeit sehr erfolgreich sein. Sie ermöglicht Disziplin, Verantwortung und hohe Belastbarkeit. Gleichzeitig geraten Bedürfnisse, Verletzlichkeit und Grenzen leicht aus dem Blick, wenn sie mit dem Bild der leistungsfähigen Person nicht vereinbar erscheinen.

Emergetisch wird das funktionale Selbstbild nicht entwertet. Es wird als gewordene Form verstanden, die einmal wichtige Aufgaben erfüllt hat und durch weitere Selbstformen ergänzt werden kann. Entwicklung erweitert das Selbstbild, sodass Wert nicht ausschließlich aus Funktion entsteht.

Erlebbar wird das, wenn …

Ein Geschäftsführer sagt nach einer Operation: „Ich bin wieder bei achtzig Prozent.“ Seine Partnerin fragt: „Und wie geht es dir?“ Er schaut irritiert und wiederholt: „Na ja, achtzig Prozent.“ Für einen Moment wird sichtbar, dass die Frage nach seinem Befinden in seinem inneren Kennzahlensystem keine eigene Spalte besitzt.

ICH · Für mich

Woran messe ich meinen eigenen Wert?

Was bleibt von meinem Selbstbild, wenn ich gerade wenig leisten kann?

Welche Seite von mir möchte jenseits des Funktionierens Raum bekommen?

WIR · Zwischen uns

Wie bestätigen wir einander vor allem über Leistung und Verlässlichkeit?

Wo dürfen wir uns auch unproduktiv, unsicher oder bedürftig zeigen?

ALLE · Für Organisationen

Welche Kultur erzeugt funktionale Selbstbilder?

Wie würdigen wir Leistung, ohne Menschen darauf zu reduzieren?

Ein funktionales Selbstbild macht Leistung zur Heimat; Entwicklung erweitert die Heimat um das, was keinen Leistungsnachweis braucht.
Siehe auch: Selbstbild Persönlichkeit Selbstverbergung Perfektionsanspruch Selbstmitgefühl Leiblichkeit Selbstbeherrschung