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Was ist Welt? · Sein und Wirklichkeit

Kontingenz

Was ist, hätte auch anders sein können und kann sich weiter verändern.

Auf den Punkt

Kontingenz bezeichnet die Gleichzeitigkeit von Wirklichkeit und Andersmöglichkeit: Etwas ist weder notwendig noch beliebig.

Wenn wir emergetisch schauen …

… erkennen wir Formen als geworden. Regeln, Beziehungen, Identitäten und Organisationen besitzen Gründe und Geschichte, doch keine von ihnen musste exakt so entstehen. Diese Einsicht macht ihre Stabilität nicht unwirklich; sie öffnet ihren Möglichkeitsraum.

Kontingenz kann verunsichern, weil sie Selbstverständlichkeiten relativiert. Zugleich ermöglicht sie Verantwortung und Gestaltung. Wo eine Form anders sein könnte, wird die Frage bedeutsam, warum wir sie erhalten, verändern oder durch eine andere ersetzen wollen.

Erlebbar wird das, wenn …

Ein Team hält seine wöchentliche Sitzung für unverzichtbar. Als ein neuer Kollege fragt, wie dieses Format entstanden ist, zeigt sich, dass es auf eine längst vergangene Projektphase zurückgeht. Die Sitzung war sinnvoll, aber nicht notwendig. Ihr kontingenter Charakter wird sichtbar, und das Team kann neu entscheiden.

ICH · Für mich

Welche Selbstverständlichkeit könnte auch anders sein?

Was halte ich für notwendig, obwohl es historisch geworden ist?

Welche Verantwortung entsteht aus der Andersmöglichkeit?

WIR · Zwischen uns

Welche gemeinsame Form behandeln wir wie ein Naturgesetz?

Wie können wir Alternativen prüfen, ohne jede Verbindlichkeit aufzulösen?

ALLE · Für Organisationen

Welche Regeln und Strukturen sind historisch kontingent geworden?

Wie schaffen wir Veränderbarkeit, ohne Orientierung zu verlieren?

Kontingenz erinnert daran, dass Wirklichkeit trägt, obwohl sie anders möglich bleibt.
Siehe auch: Brauchbarkeiten Grundlosigkeit Komplexität Konstrukt Möglichkeitsraum Unverfügbarkeit Konstrukt­bewusstsein Zeitlichkeit Freiheit Paradoxie Teleologie Unentscheidbarkeit Relativität