… verfestigung zeigt sich in Routinen, Identitäten, Rollen und organisationalen Strukturen. Eine Form wird so selbstverständlich, dass Alternativen kaum noch wahrgenommen werden. Abweichungen wirken dann weniger wie Information und stärker wie Bedrohung.
Emergetisch ist Formverfestigung kein moralischer Fehler. Stabilität gehört zu jeder Form. Entwicklung wird dort relevant, wo der Preis dieser Stabilität steigt und Resonanzen, Spannungen oder neue Erfahrungen keinen Platz mehr finden.
Eine Organisation hat seit zwanzig Jahren einen Freigabeprozess, der einmal große Risiken verhindert hat. Heute braucht eine kleine Websiteänderung sieben Unterschriften. Niemand findet das sinnvoll, doch auf die Frage nach Veränderung lautet die Antwort: „Das haben wir aus gutem Grund immer so gemacht.“ Der gute Grund ist geblieben, die Welt nicht.
Welche Form verteidige ich, obwohl ihre Brauchbarkeit sinkt?
Welche Irritation wehre ich reflexhaft ab?
Was würde meine Form wieder etwas beweglicher machen?
Welche Gewohnheiten sind zwischen uns so selbstverständlich geworden, dass wir sie kaum noch sehen?
Wo könnte eine Abweichung hilfreiche Information sein?
Welche Prozesse sind historisch verständlich und aktuell zu starr?
Wie schaffen wir Sicherheit, ohne Verfestigung zu belohnen?