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Wie entsteht Neues? · Formbildung

Formverfestigung

Formen geben Halt. Wenn Halt zum Festhalten wird, sinkt ihre Beweglichkeit.

Auf den Punkt

Formverfestigung bezeichnet den Prozess, in dem eine hilfreiche Form an Beweglichkeit verliert und zunehmend gegen Irritation, Kontextveränderung oder neue Möglichkeiten verteidigt wird.

Wenn wir emergetisch schauen …

… verfestigung zeigt sich in Routinen, Identitäten, Rollen und organisationalen Strukturen. Eine Form wird so selbstverständlich, dass Alternativen kaum noch wahrgenommen werden. Abweichungen wirken dann weniger wie Information und stärker wie Bedrohung.

Emergetisch ist Formverfestigung kein moralischer Fehler. Stabilität gehört zu jeder Form. Entwicklung wird dort relevant, wo der Preis dieser Stabilität steigt und Resonanzen, Spannungen oder neue Erfahrungen keinen Platz mehr finden.

Erlebbar wird das, wenn …

Eine Organisation hat seit zwanzig Jahren einen Freigabeprozess, der einmal große Risiken verhindert hat. Heute braucht eine kleine Websiteänderung sieben Unterschriften. Niemand findet das sinnvoll, doch auf die Frage nach Veränderung lautet die Antwort: „Das haben wir aus gutem Grund immer so gemacht.“ Der gute Grund ist geblieben, die Welt nicht.

ICH · Für mich

Welche Form verteidige ich, obwohl ihre Brauchbarkeit sinkt?

Welche Irritation wehre ich reflexhaft ab?

Was würde meine Form wieder etwas beweglicher machen?

WIR · Zwischen uns

Welche Gewohnheiten sind zwischen uns so selbstverständlich geworden, dass wir sie kaum noch sehen?

Wo könnte eine Abweichung hilfreiche Information sein?

ALLE · Für Organisationen

Welche Prozesse sind historisch verständlich und aktuell zu starr?

Wie schaffen wir Sicherheit, ohne Verfestigung zu belohnen?

Formverfestigung macht aus einer tragenden Gestalt eine Form, die immer mehr Energie für ihre eigene Erhaltung braucht.
Siehe auch: Formübersteigerung Stabilität Pfadabhängigkeit Formbeweglichkeit Verwendungs­katastrophe Irritation Exnovation Perfektionsanspruch