… eine Formübersteigerung entsteht selten aus einer Schwäche. Häufig wird gerade das, was einmal erfolgreich war, immer intensiver eingesetzt: Kontrolle wird zu Mikromanagement, Empathie zu ständiger Selbstzurücknahme, Autonomie zu Vereinzelung oder Perspektivenvielfalt zu Entscheidungsunfähigkeit.
Emergetisch betrachtet zeigt die Übersteigerung die Grenze einer Form. Die Aufgabe besteht nicht darin, ihre Qualität zu verwerfen, sondern ihre Brauchbarkeit wieder kontextbezogen zu machen und andere Formen hinzuzunehmen.
Ein Team ist stolz auf seine offene Diskussionskultur. Jede Entscheidung wird ausführlich mit allen besprochen. Als schließlich auch die Bestellung eines neuen Druckers in drei Runden reflektiert wird, beginnt jemand zu ahnen, dass Partizipation gerade sehr erfolgreich ihre eigene Verwendungskatastrophe produziert.
Welche meiner Stärken setze ich auch dort ein, wo sie wenig passt?
Woran merke ich, dass eine hilfreiche Form zu viel Raum bekommt?
Welche ergänzende Form würde wieder Balance schaffen?
Welche gemeinsame Stärke übersteigern wir?
Wo brauchen wir weniger von etwas Gutem, damit es gut bleiben kann?
Welche Erfolgslogik wird in unserer Organisation über ihren Kontext hinaus angewandt?
Wie erkennen wir früh, dass eine Stärke zur Einengung wird?