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Wie entsteht Neues? · Formbildung

Formübersteigerung

Jede Stärke kann eng werden, wenn sie auf immer mehr Situationen angewendet wird.

Auf den Punkt

Formübersteigerung bezeichnet den Prozess, in dem eine ursprünglich brauchbare Form über ihren passenden Anwendungsbereich hinaus verstärkt oder verallgemeinert wird.

Wenn wir emergetisch schauen …

… eine Formübersteigerung entsteht selten aus einer Schwäche. Häufig wird gerade das, was einmal erfolgreich war, immer intensiver eingesetzt: Kontrolle wird zu Mikromanagement, Empathie zu ständiger Selbstzurücknahme, Autonomie zu Vereinzelung oder Perspektivenvielfalt zu Entscheidungsunfähigkeit.

Emergetisch betrachtet zeigt die Übersteigerung die Grenze einer Form. Die Aufgabe besteht nicht darin, ihre Qualität zu verwerfen, sondern ihre Brauchbarkeit wieder kontextbezogen zu machen und andere Formen hinzuzunehmen.

Erlebbar wird das, wenn …

Ein Team ist stolz auf seine offene Diskussionskultur. Jede Entscheidung wird ausführlich mit allen besprochen. Als schließlich auch die Bestellung eines neuen Druckers in drei Runden reflektiert wird, beginnt jemand zu ahnen, dass Partizipation gerade sehr erfolgreich ihre eigene Verwendungskatastrophe produziert.

ICH · Für mich

Welche meiner Stärken setze ich auch dort ein, wo sie wenig passt?

Woran merke ich, dass eine hilfreiche Form zu viel Raum bekommt?

Welche ergänzende Form würde wieder Balance schaffen?

WIR · Zwischen uns

Welche gemeinsame Stärke übersteigern wir?

Wo brauchen wir weniger von etwas Gutem, damit es gut bleiben kann?

ALLE · Für Organisationen

Welche Erfolgslogik wird in unserer Organisation über ihren Kontext hinaus angewandt?

Wie erkennen wir früh, dass eine Stärke zur Einengung wird?

Formübersteigerung beginnt, wenn eine gute Antwort zur Antwort auf beinahe jede Frage wird.
Siehe auch: Verwendungs­katastrophe Brauchbarkeiten Überintegration Formverfestigung Kontextbewusstsein Ambidextrie