… wird die ontologische Frage relational und prozesshaft. Menschen, Dinge, Körper, Beziehungen und Systeme erscheinen nicht nur als voneinander getrennte Einheiten. Sie bilden sich in Wechselwirkungen und gewinnen ihre konkrete Wirklichkeit in bestimmten Formen des Bezogenseins.
Emergetik legt damit keine abschließende Lehre des Seins vor. Sie macht vielmehr sichtbar, welche Folgen ontologische Annahmen besitzen. Wer Organisationen als Maschinen versteht, handelt anders als jemand, der sie als kommunikative Systeme oder lebendige Beziehungsfelder wahrgibt. Ontologie wird praktisch, weil sie bestimmt, was wir sehen und wie wir eingreifen.
Ein Konflikt wird entweder als Eigenschaft zweier schwieriger Personen oder als Muster einer Beziehung verstanden. Beide ontologischen Annahmen richten Aufmerksamkeit und Intervention anders aus. Die erste sucht Veränderung in den Menschen, die zweite im Dazwischen und in den Bedingungen.
Was halte ich in meiner Situation für das eigentlich Wirkliche?
Welche Entitäten setze ich voraus: Personen, Beziehungen, Systeme oder Prozesse?
Wie verändert eine andere ontologische Perspektive mein Handeln?
Welche Vorstellungen davon, was wirklich ist, treffen zwischen uns aufeinander?
Wie können mehrere Seinsweisen in unserer Beschreibung Platz finden?
Welches Menschen- und Organisationsbild liegt unseren Strukturen zugrunde?
Welche Wirklichkeit erzeugen unsere ontologischen Annahmen praktisch?