… erscheint eine Form nicht als etwas Starres, sondern als das Ergebnis eines lebendigen Geschehens. Gedanken, Gewohnheiten, Beziehungen, Organisationen oder Kulturen bilden Formen aus, weil sie Orientierung geben und Komplexität reduzieren. Jede Form ermöglicht bestimmte Erfahrungen und begrenzt zugleich andere.
Formen entstehen, verändern sich und vergehen wieder. Sie sind weder richtig noch falsch. Sie bewähren sich so lange, wie sie Spannungen aufnehmen und Entwicklung ermöglichen. Wird eine Form zu eng oder verliert sie ihre Brauchbarkeit, beginnt sie aufzubrechen. So wird sie selbst zum Ausgangspunkt neuer Formbildung.
Die Emergetik betrachtet Formen deshalb nicht als Endpunkt von Entwicklung, sondern als ihre jeweils vorläufige Gestalt.
Du entwickelst eine neue Gewohnheit. Anfangs kostet sie Aufmerksamkeit und Kraft. Mit der Zeit wird sie selbstverständlich. Aus einer bewussten Handlung ist eine Form geworden. Jahre später merkst du, dass sie nicht mehr zu deinem Leben passt. Was dir lange Orientierung gegeben hat, beginnt dich nun einzuengen.
Welche Formen tragen mich gerade?
Welche Formen haben ihren Sinn erfüllt?
Wo halte ich an etwas fest, das sich verändern möchte?
Welche Gewohnheiten prägen unser Miteinander?
Welche Beziehungen brauchen neue Formen?
Welche Strukturen ermöglichen Entwicklung?
Welche Formen werden gerade zu eng für das, was entstehen möchte?