… erscheint Endlichkeit als Bedingung von Bedeutung. Zeit, Aufmerksamkeit, Körper und Beziehungen stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Jede Entscheidung schließt Möglichkeiten aus, jede Form trägt ihr Vergehen in sich, und jedes Leben bleibt unwiederholbar.
Das Bewusstsein der Endlichkeit kann Angst, Trauer und Abwehr auslösen. Zugleich schärft es unser Wahrgeben für das, was jetzt wesentlich ist. Entwicklung bedeutet dann nicht, Grenzen zu überwinden, sondern mit ihnen so in Beziehung zu treten, dass Wahl, Verantwortung und Hingabe entstehen können.
Ein Unternehmer schiebt seit Jahren ein Gespräch mit seinem erwachsenen Sohn auf, weil der richtige Zeitpunkt nie gekommen scheint. Nach dem Tod eines Freundes spürt er plötzlich, dass gemeinsame Zeit keine abstrakte Ressource ist. Die Endlichkeit löst nicht alle Unsicherheit, doch sie verändert, welcher Schritt jetzt möglich wird.
Welche Begrenzung möchte ich nicht wahrhaben?
Was wird durch die Endlichkeit kostbar?
Welche Entscheidung gewinnt an Klarheit, wenn Zeit nicht unbegrenzt ist?
Wie sprechen wir über Abschied, Verlust und begrenzte Zeit?
Welche Beziehung möchte heute eine Form finden, weil sie nicht auf später verschoben werden kann?
Wie berücksichtigt unsere Organisation die Endlichkeit von Ressourcen und Menschen?
Welche Vorhaben dürfen enden, damit neue Formen entstehen können?