Zur Begriffswelt

Wie erleben wir? · Resonanz

Fühlen

Fühlen beginnt, wenn wir unserem emotionalen Geschehen Aufmerksamkeit geben und mit ihm in Beziehung treten.

Auf den Punkt

Fühlen bezeichnet den bewusster werdenden Prozess, in dem emotionale Resonanzen wahrgenommen, unterschieden und gehalten werden.

Wenn wir emergetisch schauen …

… unterscheiden wir zwischen Emotieren, Fühlen und Gefühl. Beim Emotieren wird emotionale Energie unmittelbar gelebt; im Fühlen entsteht ein innerer Zwischenraum, in dem wir das Geschehen spüren, beobachten und differenzieren können. Ein Gefühl ist die jeweils gebildete und benennbare Form, die daraus hervorgeht, etwa Traurigkeit, Scham, Freude oder Sehnsucht.

Fühlen ist damit kein Rückzug aus der Welt. Es vertieft den Weltkontakt, weil wir genauer wahrnehmen, wie eine Situation in uns resoniert und welche Antwort daraus entstehen möchte. Je differenzierter wir fühlen können, desto weniger legt ein erster Impuls unser Handeln bereits fest. Wir gewinnen die Freiheit, Emotionen zu halten, mit anderen Erfahrungen zu verbinden und in eine stimmige Antwort zu übersetzen.

Erlebbar wird das, wenn …

In einer Besprechung stellt eine Kollegin eine kritische Frage. Der erste Impuls des Projektleiters ist, sich zu rechtfertigen. Er bemerkt Hitze im Gesicht, Enge im Brustkorb und den Wunsch, die Frage schnell abzuwehren. Als er einen Moment bei diesem Erleben bleibt, erkennt er hinter dem Ärger die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Nun kann er nachfragen, was die Kollegin wahrgenommen hat.

ICH · Für mich

Was fühle ich gerade, wenn ich meinem Erleben Zeit gebe?

Welche Emotionen kann ich bereits fein unterscheiden?

Wo handelt ein Impuls, bevor ich ihn fühlen kann?

WIR · Zwischen uns

Wie sprechen wir über das, was zwischen uns fühlbar wird?

Wie können wir starke Emotionen gemeinsam halten, ohne sie vorschnell zu lösen?

ALLE · Für Organisationen

Welche Gefühle dürfen in unserer Organisation Sprache finden?

Wie fördern wir emotionale Differenzierung als Teil professioneller Handlungsfähigkeit?

Fühlen verwandelt emotionale Bewegung in eine wahrnehmbare Beziehung zu uns selbst, zu anderen und zur Situation.