… sinn ist eine starke Orientierungskraft. Gleichzeitig kann der Anspruch, Arbeit, Krise, Beziehung und Selbstentwicklung ständig sinnvoll deuten zu müssen, eine neue Form von Druck erzeugen. Manchmal ist etwas traurig, anstrengend oder belanglos, ohne dass sofort eine höhere Botschaft darin gefunden werden muss.
Emergetisch darf Sinnbildung Pausen haben. Bedeutung kann später entstehen, sich verändern oder offenbleiben. Nichtwissen und Grundlosigkeit können entlasten und dem Erleben erlauben, zunächst einfach zu geschehen.
Nach einem schwierigen Jahr fragt ein Bekannter: „Und was hast du daraus gelernt?“ Die Betroffene antwortet: „Im Moment hauptsächlich, dass ich keine Lust mehr auf diese Frage habe.“ Selten klang Sinnmüdigkeit so gesund.
Wo versuche ich meinem Erleben zu schnell Sinn zu geben?
Welche Erfahrung darf vorerst bedeutungsoffen bleiben?
Was geschieht, wenn ich nichts aus mir machen muss?
Wo erwarten wir voneinander positive Deutungen?
Wie können wir Erfahrungen teilen, ohne sofort eine Lehre daraus zu ziehen?
Welche Sinnansprüche erzeugt unsere Kultur?
Wie ermöglichen wir Arbeit, die wertvoll sein darf, ohne ständig existenzielle Bedeutung liefern zu müssen?