… wer emergetisch schaut, fragt weniger ausschließlich nach Ursachen, Fehlern oder fertigen Lösungen und stärker danach, was sich in einer Situation bildet, welche Beziehungen wirksam sind, wo eine Form an ihre Grenze kommt und welche noch ungeformte Möglichkeit bereits spürbar wird.
Das Adjektiv beschreibt keine besondere Güte und kein Gütesiegel. Ein Gespräch wird nicht dadurch entwicklungsförderlich, dass wir es emergetisch nennen. Der Begriff ist brauchbar, wenn er unsere Aufmerksamkeit tatsächlich verschiebt und eine weitere Unterscheidung ermöglicht.
Nach einem Konflikt fragt ein Moderator nicht zuerst: „Wer hat angefangen?“, sondern: „Was ist zwischen euch entstanden, und was hält dieses Muster gerade aufrecht?“ Ein Teilnehmer lächelt und sagt: „Ah, jetzt wird es wieder emergetisch.“ Immerhin weiß inzwischen jeder, dass damit kein Räucherstäbchen gemeint ist.
Was verändert sich, wenn ich diese Situation vom Entstehen her betrachte?
Welche Form und welche Spannung nehme ich wahr?
Was wird möglich, wenn ich meine erste Deutung etwas lockere?
Was entsteht gerade zwischen uns?
Welche nächste Frage erweitert unseren gemeinsamen Möglichkeitsraum?
Wo hilft eine emergetische Perspektive bei komplexen Fragen?
Wie verhindern wir, dass ein neuer Begriff zur bloßen Etikette wird?