Selbstgestimmtheit
Auf den Punkt
Selbstgestimmtheit bezeichnet die Fähigkeit, die eigene innere Resonanz wahrzunehmen und aus ihr heraus stimmig zu fühlen, zu entscheiden und zu handeln.
Wenn wir emergetisch schauen …
… entsteht unser Erleben fortwährend in Resonanz mit unserer Mitwelt. Andere Menschen, Erwartungen, Rollen und Situationen stimmen uns an und beeinflussen, was wir wahrnehmen, fühlen und für richtig halten. Mit wachsender Selbstgestimmtheit wird innerhalb dieses Resonanzgeschehens zunehmend eine eigene innere Stimme unterscheidbar.
Wir können wahrnehmen, was für uns selbst stimmig ist, welche Bedürfnisse, Werte und Impulse in uns wirksam werden und wo unser Handeln vor allem aus Anpassung an äußere Erwartungen entsteht. Dadurch bildet sich ein innerer Bezugspunkt, von dem aus wir Entscheidungen bewusster treffen und Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung übernehmen können.
Selbstgestimmtheit bedeutet dabei keine Unabhängigkeit von anderen. Auch unsere innere Stimme entsteht in Beziehung und bleibt durch Erfahrungen, Begegnungen und kulturelle Zusammenhänge geprägt. Entscheidend ist, dass äußere Erwartungen nicht mehr unmittelbar bestimmen müssen, wie wir uns verhalten. Zwischen dem, was von uns erwartet wird, und unserer Antwort entsteht ein größerer innerer Spielraum.
Mit zunehmender Selbstgestimmtheit können wir deshalb Zugehörigkeit und Eigenständigkeit stärker miteinander verbinden. Wir hören andere, nehmen ihre Erwartungen wahr und können zugleich prüfen, welche Antwort unserer eigenen Stimmigkeit entspricht.
Erlebbar wird das, wenn …
Eine Führungskraft erhält das Angebot, eine deutlich größere Position zu übernehmen. Aus Sicht ihres Umfelds spricht fast alles dafür: mehr Verantwortung, mehr Einfluss und ein höheres Gehalt. Früher hätte sie vermutlich zugesagt, weil dieser Schritt zu ihrer Vorstellung einer erfolgreichen Karriere gehört hätte.
Diesmal bemerkt sie jedoch eine deutliche innere Zurückhaltung. Sie nimmt sich Zeit, hört genauer hin und erkennt, dass sie ihre derzeitige Arbeit als lebendig und sinnvoll erlebt, während die neue Rolle sie vor allem deshalb reizt, weil sie als nächster logischer Karriereschritt gilt. Schließlich lehnt sie das Angebot ab.
Von außen betrachtet hat sich lediglich eine Entscheidung verändert. Innerlich hat sich ihr Bezugspunkt verschoben: Sie orientiert ihr Handeln stärker daran, was für sie selbst stimmig ist.
ICH · Für mich
Woran erkenne ich, was für mich wirklich stimmig ist?
Wo orientiere ich mich noch stärker an Erwartungen als an meiner eigenen Resonanz?
Welche Entscheidung würde ich treffen, wenn ich meiner inneren Stimme mehr Raum gäbe?
WIR · Zwischen uns
Wie können wir einander zuhören, ohne unsere eigenen Bedürfnisse und Grenzen aus dem Blick zu verlieren?
Wo erwarten wir voneinander Anpassung, obwohl unterschiedliche Stimmigkeiten möglich wären?
Wie verändert sich unsere Beziehung, wenn beide ihre Eigenständigkeit einbringen können?
ALLE · Für Organisationen
Welche Bedingungen ermöglichen Menschen, ihre eigene Einschätzung und Verantwortung einzubringen?
Wo fördern Strukturen vor allem Anpassung an Erwartungen?
Wie können Organisationen Eigenständigkeit ermöglichen und zugleich gemeinsame Orientierung erhalten?