… geben wir einem paradoxen Erleben Sprache. In Übergängen, Meditation, Trauer oder schöpferischen Prozessen kann das Gewohnte seine Konturen verlieren. Es entsteht eine Schwärze, weil Orientierung und klare Bilder fehlen. Zugleich kann dieser Raum als lichtvoll erfahren werden, weil er nicht bloß Mangel, sondern Offenheit enthält.
Die lichtvolle Schwärze ist keine höhere Wahrheit und kein Zustand, der hergestellt werden müsste. Sie bezeichnet eine mögliche Begegnung mit Grundlosigkeit und Emergesium. Wer sie aushält, muss das Ungeformte nicht sofort mit Erklärungen füllen und kann empfänglich werden für leise Formkeimungen.
Nach dem Ende einer langen Partnerschaft weiß ein Mann nicht mehr, wie sein zukünftiges Leben aussehen soll. Pläne fühlen sich falsch an, alte Identitäten tragen nicht. Inmitten der Trauer erlebt er auf einem stillen Spaziergang einen Moment tiefer Offenheit. Nichts ist geklärt, und doch erscheint die Unbestimmtheit erstmals nicht nur dunkel, sondern auch weit.
Wo erlebe ich Unbestimmtheit als bloßen Mangel?
Kann ich einen leeren Raum wahrnehmen, ohne ihn sofort zu füllen?
Welche leise Möglichkeit zeigt sich im Nichtwissen?
Wie begleiten wir einander in Zeiten ohne klare Form?
Welche Art von Nähe braucht keine schnelle Aufhellung?
Wo kann unsere Organisation Übergänge aushalten, bevor neue Ziele festgelegt werden?
Welche Räume erlauben gemeinsames Nichtwissen?