… betrachten wir Gegensätze nicht nur als Hindernisse einer eindeutigen Lösung. Ordnung und Freiheit, Zugehörigkeit und Eigenheit, Stabilität und Wandel können sich gegenseitig hervorbringen und begrenzen. Ihre Spannung hält eine Bewegung offen, aus der eine umfassendere Form entstehen kann.
Dialektische Entwicklung bedeutet dabei nicht, dass jeder Widerspruch harmonisch aufgehoben wird. Manche Gegensätze bleiben bestehen, verändern jedoch ihre Beziehung zueinander. Emergetisch interessiert, ob die Spannung neue Unterscheidungen ermöglicht, bisher ausgeschlossene Perspektiven einbezieht und eine Form entstehen lässt, die mehr tragen kann als ihre Ausgangspositionen.
In einem Unternehmen stehen sich zentrale Standards und lokale Selbstständigkeit gegenüber. Beide Seiten versuchen zunächst, die jeweils andere Logik zurückzudrängen. Im gemeinsamen Arbeiten entsteht eine dritte Form: wenige verbindliche Prinzipien werden zentral geschützt, während ihre Umsetzung vor Ort entschieden wird. Der Gegensatz bleibt, wird jedoch produktiv organisiert.
Welche Gegensätze wirken in mir?
Wo zwinge ich mich vorschnell zu einer eindeutigen Seite?
Welche neue Form könnte beide Pole anders verbinden?
Welcher Widerspruch prägt unser Miteinander?
Wie können wir die Spannung nutzen, ohne Unterschiede einzuebnen?
Welche organisationalen Gegensätze brauchen eine tragfähige Form?
Wo wird ein Konflikt personalisiert, obwohl unterschiedliche Systemlogiken aufeinandertreffen?